Bild zur Veranschaulichung, zeigt von links unten in einem Knick nach oben in die Mitte verlaufende mehrere silberfarbene Rohre auf braunem Untergrund

Wärmeplanung in Bochum

Gesetzlich ist jede Kommune mit einer Einwohnendenzahl über 100.000 verpflichtet, bis zum 30.06.2026 eine Wärmeplanung zu verabschieden. Genauere Infos zu den rechtlichen Grundlagen und dem nötigen Prozess dafür, können hier auf der Seite des Landes NRW nachgelesen werden.

Bochum wird es nicht schaffen, die Frist einzuhalten, die Verabschiedung im Rat ist erst für Oktober (nach der Sommerpause) geplant. Vorher muss die Öffentlichkeit noch einmal befragt und um Rückmeldung gebeten werden. Dazu hat die Stadtverwaltung den Zeitraum vom 18.05.2026 bis 19.06.2026 angesetzt, wie in dieser Vorlage zur Kenntnisnahme in den Bezirksvertretungen und im Stadtrat zu lesen ist.

Wer vorab einen Blick in den Entwurf werfen möchte: Entwurf kommunale Wärmeplanung Bochum

Aus meiner Sicht und auch im Austausch mit anderen interessierten Menschen aus Bochum liest sich die Wärmeplanung sehr zentralistisch. Vorallem wird auf die Möglichkeiten eingegangen, die die Stadtwerke selbst umsetzen können. Das macht Sinn, soll die Wirtschaftlichkeit der Stadtwerke bitte erhalten bleiben, auch wenn bald fossile Brennstoffe nicht mehr zum Heizen verwendet und damit kein Gas mehr verkauft wird. Die Einnahmen der Stadtwerke freilich braucht die Stadt dringend, um z. B. den Verkehrsunternehmen Geld für deren Betrieb zu geben.

Zugleich finde ich es enttäuschend, dass für alle Flächen und Stadtteile, wo es keine von den Stadtwerken gut umsetzbare Lösungen geben wird (z. B. Fernwärme, Großwärmepumpen etc.), der Entwurf sehr oberflächlich bleibt: Es sollen dann doch einfach Luftwärmepumpen installiert und betrieben werden, jede:r Bochumer Eigentümer:in schön für sich.

Wärmepumpen sind eine tolle Technologie, so ein simpler physikalischer Vorgang, der uns so nutzen kann. Ich bin also ein wahrer Fan von Wärmepumpen. Nur die Luftwärmepumpe ist aus meiner Sicht nicht die ideale Kandidatin, um die Wärmewende flächendeckend gut zu bewältigen. Denn sie bringt ein paar Probleme mit sich:

  • sie hat durch den eingebauten Ventilator eine gewisse Geräuschentwicklung
  • sie sondert einen (natürlich!) kalten Luftstrom ab
  • sie ist ein ziemlicher Klotz

Diese drei Punkte sind vorallem dann störend, wenn die Wärmepumpe einfach auf dem Boden installiert wird, wie das häufig geschieht, weil es das einfachste ist. Technisch hat sie zudem noch weitere Nachteile:

  • sie muss mit starken Temperaturschwankungen zurechtkommen (Stichwort „Außentemperatur über den Tag und über das Jahr hinweg“)
  • dadurch ist ihr Stromverbrauch höher als z. B. der einer Erdwärmepumpe, deren Temperaturschwankungsprofil weniger ausgeprägt ist

Auf andere Energiequellen zu setzen, macht da nur Sinn. Da wären:

  • Erdwärme (entweder senkrecht nach unten als Sonde oder horizontal als Kollektor)
  • Abwasserwärme (direkt im Haus oder im Abwasserkanal)
  • Solarthermie (schwankt auch stark und macht deshalb nur ergänzend Sinn; es gibt sie mittlerweile aber als Kombi-Panel mit Photovoltaik, was wirklich sehr praktisch für beide Anwendungen ist)
  • (Erd-)Eisspeicher (eine wassergefüllte, versenkte Zisterne, in der die Gefrierungsenergie genutzt wird oder Erdwärmekollektorfelder, die den Untergrund kontrolliert einfrieren)
  • Industrielle oder sonstige Abwärme (z. B. von Rechenzentren)
  • Klärwerk
  • Gewässer wie Flüsse oder Seen (kann vorteilhaft sein, um die Temperaturen, die durch den Klimawandel dort steigen, wieder herabzusenken)
  • Grundwasser
  • Luftrückkühlwerke (wie z. B. bei industriellen Kälteanwendungen nötig)

Die Kosten, diese Energiequellen zu nutzen, sind immer höher als die einer Luftwärmepumpe, weil die Energiequelle erst noch erschlossen werden muss. Und da kommen gemeinschaftliche Wärmeprojekte ins Spiel, sogenannte kalte Nahwärmenetze. Dieses Thema fehlt aber in dem Wärmeplanentwurf völlig.

Nun könnte man damit argumentieren, dass diese Wärmeplanung ja sowieso nur eine Richtschnur bietet und keine festen Vorgaben macht. Allerdings basieren auf dieser Wärmeplanung dann wiederum Vorschläge für Umsetzungsmaßnahmen durch die Stadt. Da in der Grundlage die kalten Nahwärmenetze fehlen, fehlen auch passende Umsetzungsmaßnahmen, wie z. B. Informationskampagnen oder Förderungen dafür.

Was dadurch auch fehlt, ist die Möglichkeit der Bürger:innen dieser Stadt, an der Wärmewende auch positiv partizipieren zu können: Durch Arbeitsplätze in einer Genossenschaft, durch finanzielle Beteiligung am Betrieb der Nahwärmenetze und durch fehlende Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeit, wie sie zukünftig heizen wollen. Das geht besser, Bochum!

Deshalb: Möglichst viel und detailliert rückmelden, was ihr von dem Entwurf der Wärmeplanung haltet. In der Zeit vom 18.05.2026 bis 19.06.2026 werdet ihr dafür nochmal die Chance dazu haben.

Was haltet ihr vom Entwurf? Was findet ihr gut, was fehlt oder könnte besser gemacht werden?

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